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Anmerkungen zu der Malerei von Hanna Fürst-Ala de Voy.
Hanna Fürsts Fresken und Bilder haben häufig Themen im literarischen Sinne: Sie sind somit nicht gegenstandslos. Ihre Wirkung auf den Betrachter nimmt ihren Ausgang von den Farben, den dadurch erzeugten Kontrasten und Zusammenklängen. Der Gehalt der Bilder erschöpft sich jedoch keineswegs in einer häufig sehr komplexen Farbigkeit, deren Beschaffenheit die Künstlerin ständig variiert und weiterentwickelt. Der Farbauftrag, ob auf die Leinwand oder den nassen Putz produziert nämlich gleichzeitig eine komplizierte Abfolge von Flächen und Räumen, die über- und ineinander geschoben sind. Die Tektonik dieser Flächen und Räume resultiert anfänglich aus dem Format des jeweiligen Bildes, ist davon aber prinzipiell unabhängig. Sie wird nicht durch die Horizontalen und Vertikalen der Bildseiten stabilisiert, sondern durch das Hell und Dunkel der verschiedenen Farben und Farbtöne. Die Plausibilität der vielteiligen Konstruktionen ergibt sich aus ihrer von den Gesetzen der Perspektive abgelösten Farbigkeit.
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Hanna Fürst schafft durch perfekte Illusion eine „Vierte Dimension“. Fläche und Raum werden auf diese Weise zu Eigenschaften bestimmter Farben und verlieren so ihre physikalisch definierte Eindeutigkeit. Der Versuch des Betrachters nämlich, mit den Augen eine Fläche in ihrer Erstreckung zu überblicken oder einen Raum in seiner Ausdehnung zu erfassen, scheitert daran, dass ihre Erscheinungsweise abhängig davon ist, in welcher Kombination mit anderen Farben die ihnen eigene Farbe auftritt. Die Nachbarschaft der einen Farbe lässt diese im Bild zurück- oder hervortreten; in der Nachbarschaft einer anderen Farbe gewinnt sie an Tiefe und erscheint räumlich - oder genau das Gegenteil ist der Fall. Die Konstruktion des Bildes, seine Tektonik, erweist sich damit als eine bewegliche Ordnung, deren Prinzipien der Betrachter immer nur im Anschauen des Bildes erfassen kann. Ihre in den letzten Jahren geschaffenen Kunstwerke steigern diese Wirkung durch die Eigenschaften des verwendeten Materials. Ob Leinwand oder Gebäude, der jeweilige Bildträger bezieht den hinter dem Bild liegenden realen Raum mit ein. Gleichzeitig besitzt er dennoch eine Leichtigkeit, die ihn auch in seiner
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fixierten Position vor der Wand als latent beweglich erscheinen lässt. Die Künstlerin selbst nennt ihre Werke deshalb gelegentlich ‚Das Schaffen einer Vierten Dimension mit Hilfe perfekter Illusion' und deutet damit etwas Wesentliches nicht nur dieser Werkgruppe an. Die Kunst von Hanna Fürst setzt nicht nur Flächen und Räume in Bewegung, sondern auch die Fantasie und Farbwahrnehmung des Betrachters. Diese Gabe und die Fähigkeit sich alter Techniken zu bedienen, verschaffen der Künstlerin eine unbeschreibliche Originalität. Einer der namhaftesten Künstler früherer Epochen der diese Techniken bei einer Vielzahl seiner Werke eingesetzt hatte, war kein geringerer als Michelangelo (Sixtinische Kapelle, 1508/1512). Ebenso wie Michelangelo verzichtet die Künstlerin Hanna Fürst Ala de Voy auf neuzeitliche Hilfsmittel, im Gegensatz zu den meisten heutigen Freskomalern, die mit Hilfe von Projektoren Vorzeichnungen an die Wand ‚werfen‘. Ihre Gabe und ihre offene, menschliche Art machen Hanna Fürst-Ala de Voy zu einer der wertvollsten Künstlerinnen unserer Zeit.
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